Bald 60 Jahre Unabhängigkeit. Immer noch in den Fängen des Kolonialismus?

Vorträge und Podiumsdiskussion beim 10. Afro Ruhr Festival

Wann: Samstag, den 29.6.2019, 16.30h – 18.30h
Wo: Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstr. 50, 44147 Dortmund

Afro Ruhr Festival Diskussion

2020 werden 17 afrikanische Länder 60 Jahre Unabhängigkeit feiern? Diese Frage wurde vor 10 Jahren anlässlich des 50. Jubiläums in unterschiedlichsten Kreisen und Foren bereits gestellt. Die Ausgangssituation dieser Fragestellung hat sich kaum verändert. Ohne Zweifel gibt es keine Standardantwort auf diese Frage, die für alle betroffenen Länder, geschweige denn für ganz Afrika, gelten kann. Dafür sind die Verhältnisse und die postkolonialen Entwicklungen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich. Einige hätten mehr Gründe zu feiern als andere. Dennoch waren und sind viele Intellektuelle aus dem afrikanischen Kontinent der Meinung, dass diese Jubiläen keinen Anlass zum Feiern, sondern zum Nachdenken bieten.

Sehr symbolträchtig macht es der tansanische Präsident Magufuli, der seit seiner Wahl in 2015 die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag annullieren und die dafür im Budget vorgesehenen Finanzmittel in die Sanierung, die Reinigung der Städte oder in den Bau eines neuen Krankenhauses investieren lässt. Aber die Gründe für das Plädoyer, die Unabhängigkeit bei allen Unterschieden zwischen den Kontexten zumindest nicht pompös zu zelebrieren, liegen tiefer als punktuelle Sparmaßnahmen oder Prioritätssetzungen. Sie betreffen die Tatsache, dass viele Länder des Kontinents nach wie vor in den Fängen ausländischer Nutznießer sind, welche die Ressourcen der rohstoffreichen Länder des Kontinents ausbeuten und somit die koloniale Durchdringung fortsetzen.

Sie betreffen Eliten, welche sich zum verlängerten Arm ausländischer Mächte und deren Interessen machen. Sie betreffen ein koloniales Bildungssystem, das nach wie vor zum Blick nach außen erzieht und sie betreffen nicht zuletzt zentrale Symbole von Unabhängigkeit wie Währungssysteme. Mit dem Franc-CFA, um dieses Beispiel zu erwähnen, befinden sich 14 afrikanische Länder währungspolitisch immer noch unter dem Einfluss der französischen Zentralbank und daraus ergeben sich ernstzunehmende Implikationen. Das Afro-Ruhr-Festival möchte eine Plattform bieten, um diese Themen mit ExpertInnen und Ihnen zu diskutieren. Sie Sind herzlich eingeladen.

Vortrag 1: In den Fängen des Kolonialismus? 59 Jahre danach
Dr. Boniface Mabanza
, Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika KASA

Vortrag 2.: Der CFA-Franc. Eine ökonomische und politische Angelegenheit.
Dr. Kako Nubukpo, Ex-Minister in Togo und Ex-Direktor der Wirtschaftsabteilung der Francophonie

Vortrag 3: Kapital- und Steuerflucht aus Afrika
Dr. Dereje Alemayehu, Executive Koordinator der Global Alliance for Tax Justice

Partner: Africa Institute for Media, Migration and Development (AIMMAD), ATTAC, Netzwerk für Steuergerechtigkeit, Deutsch-Französische und Deutsch-Afrikanische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft, NN

Die Referenten

Dr. Kako Nubukpo, wurde in Lomé geboren und in Straßburg ausgebildet. Er war Minister für Foresight und Public Policy Evaluation Togos. Er ist Doktor der Wirtschaftswissenschaften der Universität Lumière-Lyon-II, Makroökonom und Baumwolle-Spezialist. Von 1997 bis 1999 lehrte er an der EM Lyon Business School. Von 2000 bis 2003 war er in der Zentralbank der westafrikanischen Staaten in Dakar tätig. Anschließend trat er dem Zentrum internationaler Kooperation in Agrarforschung für Entwicklung in Montpellier bei. Im März 2016 wurde er zum Direktor der wirtschaftlichen und digitalen Frankophonie der Internationalen Organisation der Frankophonie ernannt. Er wurde im Dezember 2017 wegen seiner Anti-CFA-Positionen entlassen und arbeitet derzeit als Consultant.

Dr. Dereje Alemayehu ist derzeit Executive Coordinator der Global Alliance for Tax Justice. Zuvor war er Gründungsprofessor des Steuergerechtigkeitsnetzwerks Afrika und Vorsitzender des Globalen Bündnisses für Steuergerechtigkeit. Auch war er langjähriger Berater für wirtschaftliche Gerechtigkeit bei Christian Aid. Vor seiner Tätigkeit im Entwicklungssektor war Dereje Alemayehu von 1987-1998 Dozent an der Freien Universität in Berlin, wo er einen Masterabschluss in Entwicklungswissenschaften und einen Doktor in Wirtschaftswissenschaften machte.

Dr. Boniface Mabanza Bambu ist in der Demokratischen Republik Kongo geboren, hat Philosophie, Literaturwissenschaften und Theologie in Kinshasa studiert und seinen Doktor an der Universität Münster zum Thema „Gerechtigkeit kann es nur für alle geben. Globalisierungskritik aus afrikanischer Perspektive“ gemacht. Er absolvierte eine Ausbildung im Konfliktmanagement bei der Akademie für Konflikttransformation in Bonn und ist seit 2008 Koordinator der Kirchlichen Arbeitstelle Südliches Afrika in der Werkstatt Ökonomie/Heidelberg. Von 2008 bis 2014 war er zudem freiberuflicher Trainer für Entwicklungspolitik bei der Akademie für Internationale Zusammenarbeit und ist bis heute in zahlreichen Netzwerken der Afrikanischen Diaspora in Deutschland und Europa aktiv.